Ein Glossar erklärt die Fachbegriffe eines Textes an einer zentralen Stelle. Wer ein Glossar erstellen will, braucht dafür kein Spezialwissen: Begriffe sammeln, kurz definieren, alphabetisch ordnen, fertig ist das kleine Nachschlagewerk. In diesem Ratgeber findest du die komplette Anleitung in 6 Schritten, ein Beispiel samt Vorlage und dazu den Teil, den die meisten Anleitungen auslassen: wie du aus dem Glossar eine Firmenterminologie machst, die deine Übersetzungen in allen Sprachen konsistent hält. Der Weg ist derselbe, egal ob du für eine Abschlussarbeit oder für dein Unternehmen schreibst.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Glossar ist eine alphabetisch sortierte Liste erklärungsbedürftiger Begriffe mit kurzen Definitionen.
- Die 6 Schritte: Begriffe sammeln, Definitionen recherchieren, Einträge formulieren, Quellen festhalten, von A bis Z sortieren, Format festlegen und freigeben.
- Abkürzungen gehören nicht ins Glossar, sondern in ein eigenes Abkürzungsverzeichnis.
- Für Unternehmen wird das Glossar zur mehrsprachigen Terminologiedatenbank und sichert konsistente Übersetzungen.
- In KI-Übersetzungstools wie LANI fließen deine freigegebenen Begriffe automatisch in jede Übersetzung ein.
Was ist ein Glossar?
Ein Glossar ist eine Liste aller Begriffe, die Lesende ohne Vorwissen nicht verstehen, jeweils mit einer kurzen Erklärung. Die klassische Glossar-Definition beschreibt also ein kleines Wörterbuch, das sich nur auf einen bestimmten Text oder ein bestimmtes Unternehmen bezieht. Typische Kandidaten sind Fachbegriffe, Fremdwörter wie gängige englische Fachbegriffe, Eigennamen und firmenspezifische Produktbezeichnungen.
Das Glossar erfüllt dabei drei Aufgaben: Es macht Texte für Laien verständlich, es sorgt für Einheitlichkeit, weil alle dieselbe Definition verwenden, und es schafft Transparenz, weil festgehalten ist, woher eine Definition stammt. Damit Begriffe schnell auffindbar sind, wird die Liste alphabetisch sortiert.
Wichtig ist die Abgrenzung zu ähnlichen Verzeichnissen: Abkürzungen wie „z. B.“ oder „DSGVO“ gehören ins Abkürzungsverzeichnis, nicht ins Glossar. Und im Übersetzungsumfeld gibt es mit Terminologiedatenbank und Translation Memory zwei Werkzeuge, die oft verwechselt werden. Die Tabelle zeigt die Unterschiede.
| Verzeichnis | Inhalt | Zweck |
|---|---|---|
| Glossar | Erklärungsbedürftige Begriffe mit Definition oder Übersetzung | Begriffe verständlich machen |
| Abkürzungsverzeichnis | Abkürzungen mit ausgeschriebener Form | Kurzformen auflösen |
| Terminologiedatenbank | Glossar im Übersetzungskontext, oft mehrsprachig mit Kontext und Status | Terminologie in allen Sprachen konsistent halten |
| Translation Memory | Ganze übersetzte Satzpaare | Bereits Übersetztes wiederverwenden |
Glossar erstellen in 6 Schritten
So gehst du beim Glossar erstellen systematisch vor. Die Schritte funktionieren für die Bachelorarbeit genauso wie für das Firmenglossar, nur die Beteiligten ändern sich.
1. Begriffe sammeln
Geh deinen Text oder deine Unternehmensinhalte systematisch durch und notiere alle Fachbegriffe, Fremdwörter und Eigennamen, die nicht selbsterklärend sind. Bei Namen aus anderen Schriften hilft zusätzlich die Transliteration bei einheitlichen Schreibweisen. Im Unternehmen lohnt der Blick in bestehende Dokumente: Website, Produktblätter, Verträge und bisherige Übersetzungen liefern die Kandidaten fast von selbst.
2. Definitionen recherchieren
Such für jeden Begriff eine präzise, fachlich korrekte Definition, etwa aus Fachliteratur oder internen Quellen. Gibt es mehrere Bedeutungen, entscheide dich für die Version, die zu deinem Kontext passt, und halte diese Entscheidung fest.
3. Einträge kurz und einheitlich formulieren
Formuliere jede Erklärung in wenigen Zeilen und ohne zusätzlichen Fachjargon. Alle Einträge sollten demselben Muster folgen, damit das Verzeichnis ruhig und professionell wirkt.
4. Quellen und Verantwortliche festhalten
Übernommene Definitionen brauchen eine Quellenangabe, in wissenschaftlichen Arbeiten zwingend im gewählten Zitierstil. Im Firmenglossar hältst du zusätzlich fest, wer einen Eintrag vorgeschlagen und wer ihn freigegeben hat.
5. Alphabetisch sortieren
Ordne alle Begriffe von A bis Z, so findet jeder einen Eintrag in Sekunden. Prüfe dabei gleich auf Dubletten und streiche Begriffe, die allgemein bekannt sind.
6. Format festlegen und freigeben
Wähl ein einheitliches Format, bewährt ist die zweispaltige Tabelle mit Begriff links und Erklärung rechts. In wissenschaftlichen Arbeiten setzt du erklärte Begriffe bei der ersten Nennung kursiv. Im Unternehmen folgt jetzt die Freigabe durch eine fachkundige Person, erst dann gilt ein Eintrag als verbindlich.
- Alle unklaren Begriffe erfasst und definiert
- Keine Abkürzungen im Glossar
- Begriffe von A bis Z sortiert und frei von Dubletten
- Quellen und Freigaben dokumentiert
Glossar-Beispiel und Vorlage
Ein kurzes Glossar-Beispiel zeigt, wie wenig es braucht: Begriff links, Erklärung rechts, fertig. Genau diese Tabelle kannst du als Glossar-Vorlage übernehmen und beliebig erweitern.
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Fachterminologie | Die Gesamtheit der Fachausdrücke eines Fachgebiets oder Unternehmens |
| Lokalisierung | Anpassung von Inhalten an Sprache und Kultur eines Zielmarkts |
| Translation Memory | Datenbank, die übersetzte Sätze speichert und wiederverwendet |
| Zielsprache | Die Sprache, in die ein Text übersetzt wird |
Für den Firmeneinsatz erweiterst du die Vorlage um weitere Spalten: eine Spalte je Zielsprache mit der freigegebenen Übersetzung, dazu Status und Anmerkungen, etwa zu Begriffen, die bewusst nicht verwendet werden sollen. So wächst aus der einfachen Tabelle Schritt für Schritt deine Terminologiedatenbank.
Firmenglossar für Übersetzungen: Terminologie im CAT- und KI-Workflow
Spätestens wenn dein Unternehmen in mehrere Sprachen übersetzt, wird das Glossar zum Steuerungsinstrument. Ohne festgelegte Terminologie übersetzt jede Person und jedes Tool denselben Fachbegriff anders. Ein gepflegtes Firmenglossar legt pro Begriff die freigegebene Übersetzung je Zielsprache fest, inklusive No-Go-Begriffen, die nie erscheinen dürfen.
Der entscheidende Schritt ist die Einbindung in den Übersetzungsworkflow. In einem CAT-Tool wird dein Glossar als Terminologiedatenbank hinterlegt und bei jeder Übersetzung automatisch angewendet. In LANI, dem KI-Übersetzungstool von ALLESPRACHEN, pflegst du dein Glossar als Sprachressource: Die KI berücksichtigt deine freigegebenen Begriffe bei jeder Übersetzung von selbst, statt dass jemand sie nachträglich korrigiert.
Dauerhaft funktioniert das mit einem klaren Freigabeprozess, einer verantwortlichen Person für neue Vorschläge und regelmäßiger Pflege, weil mit neuen Produkten auch neue Begriffe entstehen.
Tipp
Starte nicht bei null: Aus bestehenden Übersetzungen lassen sich die wichtigsten Begriffe samt bereits verwendeter Übersetzung extrahieren. So steht die erste Version deines Firmenglossars oft nach wenigen Stunden.
Fazit: Kleines Verzeichnis, großer Hebel
Ein Glossar zu erstellen kostet wenig Zeit und bringt viel: verständliche Texte, einheitliche Begriffe und im Unternehmen eine Terminologie, die in jeder Sprache konsistent bleibt. Die 6 Schritte bleiben immer gleich: sammeln, definieren, formulieren, belegen, sortieren, freigeben. Wer seine Inhalte übersetzen lässt, macht aus dem Glossar am besten gleich eine Terminologiedatenbank im Übersetzungstool, dann arbeitet jede Übersetzung automatisch mit den richtigen Begriffen.